Superman ist arbeitslos.
Nein. Stopp. Das ist nicht ganz richtig. Lass mich von vorne beginnen.
In meinem Freundeskreis reden wir oft darüber, wie unsere Gesellschaft prosperieren würde, hätten wir nicht den Steuer-Schlucker Staat, keine Lobby oder Gewerkschaften, die einen enormen volkswirtschaftlichen Schaden anrichteten. Uns schwebt eine Welt vor, in der es keinen Grund mehr für Kriege gibt. In der Streitigkeiten durch Verhandlung und Recht gelöst werden. In der Freiwilligkeit und Mitgefühl zählen und in der jeder das machen könnte, was er am Besten kann und davon leben könnte. Es fällt einigen Menschen schwer, uns mit unseren Vorstellungen zu folgen, wenn man davon ausgeht, dass die Menschen nicht in der Lage seien, selbst für sich und die anderen zu sorgen. Ganz ohne Staat. Aber es ist möglich. Man muss nur den Mut haben, alle Konstanten und angebliche Gesetzmäßigkeiten für einen Augenblick über Bord zu werfen um sich ganz jungfräulich dem Thema Gerechtigkeit zu nähern.
Für mich liegt die Schwierigkeit nicht darin, zu erkennen, was für Vorteile eine freie Gesellschaft auf der Basis von Freiwilligkeit mit sich bringen würde. Ich mache mir nur erhebliche Sorgen um Superman.
Wenn diese Vision einer friedlichen Welt tatsächlich möglich ist und keine bloße Utopie – wäre unser Superheld nicht plötzlich arbeitslos? Ist ein Held nicht nur dort notwendig, wo es heldenhafter Taten bedarf? Was soll Superman denn nun tun, mit seinem Cape und seiner Stärke? Niemand bräuchte ihn mehr.
Aber ich liebe Superhelden. Und ich liebe Diskussionen. Und ich liebe Herausforderungen.
Fast alle geistigen Größen der letzten Jahrhunderte haben hervorgehoben, dass das Böse bzw. das Unangenehme notwendig ist, damit das Schöne und Angenehme überhaupt als solche wahrgenommen werden können. Ying Yang, Schatten und Licht, Gut und Böse. Diese Dichotomien sind notwendig, damit wir leben können. Damit wir weitermachen, damit es Held gibt. Damit es die Sehnsucht gibt.
Wir sehnen uns alle nach Frieden und Wohlstand. Aber der Staat ist ganz clever. Er weiß, dass wir uns in Wirklichkeit keine perfekte Welt herbeisehnen. Weil wir uns sonst zu Tode langweilen würden. Stellt Euch einmal vor, welche Nachrichtenlandschaft existieren würde, wenn es auf der ganzen Welt zu keiner nennenswerten Auseinandersetzung käme. Wenn es keine Politik gäbe..
Ich habe mich bei dieser Vorstellung bereits erheblich gelangweilt. Aber dann ist mir etwas aufgefallen: ich hatte in den letzten Wochen kaum Zeitung gelesen, geschweige denn Nachrichten im Fernsehen geschaut. Ich hatte meine Zeit in Facebook nicht mit dem Lesen von SPIEGEL-Artikeln, sondern mit der Betrachtung von lustigen Videos verbracht. Es macht viel mehr Freude, in einem Video ein kleines Mädchen beim schiefen Singen zu sehen und mitzulachen, als zu erfahren, dass in der Türkei wieder mal die Menschenrechte mißachtet wurden und so und soviele Leute ums Leben gekommen waren.
Wir haben eine Pflicht, nicht wegzuschauen. Ja. Aber wir haben auch ein Bedürfnis nach innerem Frieden, nach Ruhe und Freude. Da braucht man nicht eine ganze Zeitung, in der nur Todesfälle und Unfälle aufgeführt sind. Man braucht etwas zum Lachen und zum Schmunzeln.
Außerdem hält die Welt auch ohne Politik und Auseinandersetzung viele Herausforderungen für uns bereit, die es zu lösen gilt. Vielleicht brauchen wir dann keinen Superman mehr, sondern Captain Cerk. Aber Superman würde sich auch mal freuen, in den Urlaub zu fahren und bei Sonnenuntergang eine Caipi zu schlürfen. Er hat es sich verdient...
Libertybunny18 - 25. Jun, 10:40
Ich traue mir es ja gar nicht zu sagen...aber ich bin kein Fan der Demokratie. Versteht mich nicht falsch. Natürlich halte ich es für eine tolle Idee der Griechen, dass das Volk das Souverän ist und nicht ein König oder ein Diktator. Auf der Suche nach der besten Herrschaftsform sind wir mit der Demokratie tatsächlich am Ziel angekommen. Aber ich mag Herrschaft in keinster Form. Ich frage mich oft, ob ich die Einzige bin, die so denkt oder ob ich eine Spinnerin bin, weil ich ganz stolz sage: ich bin Anarcho-Libertär. Ich glaube nicht an den Staat. Ich glaube auch nicht an Wohlfahrtsökonomie oder an Allokationsprinzipien und Steuern.
„Du willst keinen Staat?“, fragen mich oft Leute. „ Wer soll dann dieses oder jenes bauen, organisieren, kontrollieren??“ etc pp...
Es erschrickt mich manchmal, dass Menschen, die tatsächlich nicht nur theoretische, sondern auch praktische Vorschläge für eine Gesellschaft ohne Staat haben, es nicht einmal schaffen, ihre Bücher zu veröffentlichen. So stark ist die Staatstreue, der Staatsglaube. Tja... Es ist wirklich schon schwierig sich bis ins kleinste Detail auszumalen, was passieren würde, wenn sich eine Gesellschaft von Gleichen mit unterschiedlichsten Vorstellungen eines guten Lebens sich zusammen tun würde und auf Basis von Handel und Verträgen ihr Leben gestalten könnten und was es für unsere Gesellschaft dann konkret bedeuten würde.
Aber nur weil etwas sich verrückt anhört (wir hatten schon seit den alten Ägyptern stets ein System von Herrschaft, ob Pharaonen, Feudalsysteme, Sklaven, Konsuln in Rom oder eben der Mehrheit wie bei uns heutzutage), muss es noch lange nicht falsch sein oder gar unmachbar.
Der größte Einwand gegen eine freie Gesellschaft, die nicht auf Kontrolle und Herrschaft basiert, sondern auf Voluntarismus und Eigenverantwortlichkeit ist für viele Deutsche: wer bekämpft Kriminalität? Wer sorgt dafür, dass ein Monopolist mich nicht ausbeutet? Was ist mit Öffentlichen Gütern?
Wenn man sich ein bisschen Zeit nimmt um darüber nachzudenken, woher denn die Probleme, die wir so gerne vom Staat gelöst sehen wollen eigentlich kommen, wird man eine sehr interessante Feststellung machen: die Probleme, die wir haben, kommen durch das Existieren eben dieses Systems der politischen Herrschaft. Ein Staat erzeugt Probleme, die er dann ganz stolz zu lösen sucht. Ist das nicht genial? Das ist die größte Arbeitsbeschaffungsmaßnahme der Weltgeschichte. Und ich muss zugeben, dass mir die Lebensqualität, die durch politische Disskussionen, Talkshowrunden, Wirtschaftsliteratur, unterschiedliche Meinungen zu diesem und jenem... durchaus gefällt. Ohne den Staat hätte ich auch gar keinen Anreiz diesen Blog zu schreiben. Aber ich muss doch trotzdem für das eintreten, was ich für richtig halte: nämlich keine Herrschaft what so ever.
Wir haben beispielsweise Angst bei einer freien Marktwirtschaft ohne staatliche Regulierung, dass bestimmte Haie Monopole aufbauen werden und uns machtlosen Konsumenten das Geld aus der Tasche ziehen würden. Hmm... ich habe im Studium von solchen künstlichen Monopolen oder von Kartellen durchaus gehört, aber ich weiß ganz genau, dass Konsumenten eben nicht machtlos sind und ein Monopolist nur die Möglichkeit hat potentielle Konkurrenten durch niedrige Preise vom Markt zu halten. Das kostet auch dem Monopolisten viel Geld. Und um die gesteigerte Nachfrage, die sich durch dieses Preisdumping ergibt, muss der Monopolist dann teure Investitionen für eine Mehrproduktion bereitstellen. Das könnte ihn in den Ruin führen und schließlich zum Auflösen des Monopols. Der Staat meint uns von solchen Gebilden schützen zu müssen. Und gründet seinerseits ein Monopol. Nur eben ein staatliches. Dieses Monopol ist nicht anfechtbar und hat die gleichen negativen Konsequenzen wie ein natürliches oder künstliches Monopol bei freier Marktwirtschaft.
Das ist nur ein Beispiel. Es gibt wirklich keinen (und ich meine keinen!) Bereich der Gesellschaft, Kultur oder Wirtschaft, wo Voluntarismus, also freier Handel zu eigenen Konditionen nicht funktionieren würde. Man muss nur bereit sein, sich vom Staat als Wahrheitskomplex zu verabschieden und wenigstens den Kopf für andere Formen von „Herrschaft“ frei machen.
Ich mache mir aber wie alle anderen Libertären durchaus Sorgen darüber, ob unsere Ideen einer gerechteren Gesellschaft jemals auf fruchtbaren Boden fallen werden. Denn solange Sicherheit und Wohlstand einigermaßen sichergestellt sind, interessiert sich keiner für Gerechtigkeitstheorien oder so etwas wie Eigenverantwortlichkeit.
Ich bin in diesem Beitrag gar nicht darauf eingegangen, was eine libertäre Gesellschaft genau auszeichnet, oder was man darunter verstehen kann. Für Interessierte empfehle ich eine schrittweise Annäherung zur Idee von Anarchie im libertären Sinne. Die Ökonomen der Österreichischen Schule wie Mises oder Hayek, sind ein guter Einstieg, um die Auswirkungen von Staat auf Gesellschaft und Wirtschaft kennen zu lernen. Wenn man dann Gefallen an dem gefunden hat, was man gelesen hat ist beispielsweise die Lektüre von David Friedman: Machinery of Freedom ganz unterhaltsam. Er erzählt in kurzen Kapiteln, wie er sich eine (fast) Staatsfreie Gesellschaft vorstellt und wieso diese zu mehr Wohlstand und Gerechtigkeit führen würde.
Wenn manche Leser jetzt neugierig geworden sind auf das Konzept der Anarchie – Gratulation. Es ist nicht mehr weit zum Staatsfeind Nr.1. NSA sei Dank...
Libertybunny18 - 13. Jun, 16:22
USA, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Ein Land in dem man alles sein und werden kann. Auch sehr reich. Dieser un- oder wohlverdienter Reichtum stößt in den Vereinigten Staaten nicht auf Missbilligung sondern auf Bewunderung und Zuspruch. Man gönnt seinem Nachbarn den Erfolg. Das ist zwar statistisch nicht belegt, doch gilt die USA immer noch als Vorbild für eine neid-freie Gesellschaft. Wie sieht es jedoch hierzulande aus?
Es gibt lange nicht so viele Millionäre in Deutschland wie in den USA, aber wir haben sie. Und woher kommt der unsägliche Reichtum dieser Menschen? Alles geerbt! Wirklich?
Eine nähere Betrachtung durch Studien zeigt: wir haben über 800.000 sehr sehr reiche Menschen in Deutschland. Doch mehr als die Hälfte dieser Reiche hat das Vermögen durch Unternehmertum oder Freiberuflichkeit verdient und nicht geerbt.
Reiche Menschen werden in Deutschland kritisch beäugt, so sind diese für die meisten Menschen ein Klüngel, der abgeschottet und unter sich auf dem Golfplatz lebt und in ihrem Reichtum baden. Die meisten Vermögenden haben jedoch Angst, nur wegen ihres Geldes gemocht zu werden. Die Furcht von Schnorrern ausgenutzt zu werden führt zu diesem Isolationismus und diesem so genannten Club der Reichen.
Aber wie auch immer die Reichen an ihr Geld gekommen sein mögen – „reich“ zu sein, hat Deutschland schon immer eine negative Konnotation gehabt. Wie beispielsweise der Unternehmensmillionär Erich Sixt einmal in einem Interview bemerkt hat, kommt der Neid in der deutschen Gesellschaft vor allem durch die Erziehung der Kinder zustande, wo reich zu sein, negativ beurteilt wird. Das Gerechtigkeitsempfinden, dass alle gleich viel haben sollen, fängt schon mit dem Vergleich der Größe der Schultüte an. Das sei vor allem der christlichen Morallehre zu verdanken, sagt Sixt. Armut würde als Himmelstüröffner verstanden. Geld wird verrucht.
Gerechtigkeit ist für die meisten Menschen in Deutschland eine Umverteilung von oben nach unten. Und am liebsten eine Gleichverteilung.
Diese Gleichverteilung ist Ergebnis des Neides. Und sie birgt die Gefahr der Wohlstandsvernichtung. Ein spieltheoretisches Beispiel zeigt, wie es um den Neid und das Gerechtigkeitsempfinden im Allgemeinen bestellt ist: Eine Person A bietet einer Person B hundert Euro als Geschenk. Der Haken: die Person B muss einen Betrag zwischen null und hundert Euro einer dritten Person C anbieten, den dieser annehmen muss, sonst gehen beide leer aus. Es kommt, wie es kommen muss: B wird in diesem Spiel exakt die Hälfte des Geschenkes an C geben, damit dieser nicht alles torpediert und beide leer ausgehen. Die Person C hatte überhaupt keinen Anspruch an das Vermögen der Person A. Dieser wollte sein Geld eigentlich an jemanden bestimmten geben: nämlich der Person B. Hier wird sehr schnell ersichtlich was die Motivation der „gerechten“ Verteilung ist: entweder Du gibst mir den gleichen Betrag, wie du einbehälst , oder ich sorge dafür, dass Du und ich gar nichts bekommen.
Neid ist nicht nur Motor für Gleichverteilung. Neid hindert auch Motivation und Ehrgeiz, weil Leistung nicht mehr honoriert wird. Wo der „ehrgeizig stimulierende“ Neid, eines von vier Varianten des Neides, die von Soziologen beobachtet werden, in „empörenden“ Neid übergeht, ist die Gefahr groß, wirtschaftliche Einbußen in der Gesellschaft hinnehmen zu müssen.
Auch die altruistische Motivation vieler Reichen, mit ihrem Geld Gutes zu tun und Stiftungen und Hilfsorganisationen unter die Arme zu greifen, wird mit zunehmenden Neid in der Gesellschaft immer weniger.
Anstatt sich stets zu überlegen, wie man den Reichtum in der Nation so umverteilen könnte, damit die meisten sich mit dem status quo zufrieden geben würden, sollte das Leistungsprinzip wieder in den Vordergrund gestellt werden. Leistung muss sich wieder lohnen und Spaß machen. Bis dahin teilen wir unseren Schokoriegel in genau zwei Hälften. So kommt kein Neid auf und wir können in Ruhe den Konsum genießen...
Libertybunny18 - 11. Apr, 08:46
„Als ob die Menschen, als sie den Naturzustand verließen und sich zu einer Gesellschaft vereinigten, übereingekommen wären, daß alle, mit Ausnahme eines einzigen, unter dem Zwang von Gesetzen stehen, dieser eine aber alle Freiheit des Naturzustandes behalten sollte, die sogar noch durch Gewalt vermehrt und durch Straflosigkeit zügellos gemacht wurde! Das heißt die Menschen für solche Narren zu halten, daß sie sich zwar bemühen, den Schaden zu verhüten, der ihnen durch Mader oder Füchse entstehen kann, aber glücklich sind, ja, es für Sicherheit halten, von Löwen verschlungen zu werden.“ Das ist ein gewaltiges Zitat von John Locke aus „Zwei Abhandlungen über die Regierung“.
Es klingt mehr als nur logisch: wenn alle Menschen an einem fiktiven Anfang der Gesellschaft die Wahl hätten, sich für ein System der Herrschaft zu entscheiden, würden sie mit Bestimmtheit versuchen, sich selbst so viel Rechte und Sicherheit einzuräumen wie nur möglich. Es entspricht auch einer ethischen Logik, wie ich finde, dass alle Menschen gleich viel Wert sind und daher keine Macht eines Individuums über ein anderes gerechtfertigt werden kann. Ein Grund, wieso das anders sein sollte, geht mir nicht in den Kopf.
Aber selbst wenn dieses Argument nicht überzeugen sollte, gibt es mit der so genannten Informationsmangeltheorie einen anderen logischen Grund, sich für die Menschenrechte und Wertegleichheit einzusetzen, wenn nun aber als Nebenprodukt der Argumentation. Selbst wenn wir nämlich glauben sollten, dass einige Individuen mehr Recht hätten als andere oder mehr Macht zustehen sollte, so weiß man in diesem Fall nicht auf wen das genau zutreffen sollte. Aus Angst also, die falschen zu unterdrücken oder zu bevorzugen, entsteht eine Motivation alle Menschen gleich zu behandeln. So ensteht der geringste Schaden.
Wenn man jedoch an die Universalität von Menschenrechten glaubt und sie als „Wahrheit“ akzeptiert, so frage ich mich oft, wie man dazu kommt zu glauben, dass irgendeine andere politische Kultur entstehen könnte, als eine Demokratie. Es macht keinen Sinn zu glauben, irgendeine andere Staatsform könnte den Spagat zwischen Herrschaft und Gerechtigkeit schaffen.
Demokratie also als einzig legitimierte Staatsform. Staatsform wohlgemerkt. Denn wenn man noch stringenter argumentiert und bereit ist, bis zum Naturzustand zurückzudenken und zu sehen, was in einem solchen Fall wohl entstehen würde, so ist überhaupt keine Form von Herrschaft oder Staat zu rechtfertigen.
Dies ist für viele schwer zu verstehen. Sie können nicht sehen, wie Dinge funktionieren sollen, wenn es einen Staat nicht gibt, der für Recht und Ordnung sorgt. Das ist richtig. Die Probleme, denen wir heute ausgesetzt sind, können wir ohne Staatsmacht nicht begegnen. Jedoch ist hier ein kleiner Denkfehler enthalten, den anzuschauen sich lohnt.
Die meisten Probleme entstehen genau weil es eine Form von Herrschaft gibt. Die durch den Staat verursachten Probleme sind tatsächlich lediglich mit einer Staatsgewalt lösbar. Jedoch könnte eine freie Gesellschaft, die auf Freiwilligkeit, Tausch, gegenseitigem Respekt basiert, also eine libertäre Gesellschaft, diese Probleme schon von Beginn an im Keim ersticken.
Eine freie Gesellschaft (und auf die Funktionalität dessen, werde ich in einem späteren Beitrag näher eingehen), in der es weder Armut und Konflikt gibt, weil es keine rivalisierenden Parteien gibt (und wieso das so ist, auch wiederum in einem späteren Beitrag), hat Probleme wie Kriminalität nicht. Und für die wenigen Fälle, wo noch kriminelle Energie vorhanden ist, kann die freie Gesellschaft Abhilfe durch private Sicherheitssysteme schaffen.
Ich möchte auf das Thema staatsfreie Gesellschaft an dieser Stelle gar nicht näher eingehen, sondern bei der Thematik der Menschenrechte bleiben. Es wird mir bei logischer Auseinandersetzung mit dem Thema immer mehr klar: wie kann man daran glauben, dass Menschen ungleich in ihrem Wert seien? Wie kann man glauben, dass es gerechtfertigt ist, dass wenige Menschen über andere herrschen?
Die meisten Länder dieser Erde, egal welche Staatsform sie haben, sind in internationalen Organisationen verbunden, wie etwa der Vereinten Nationen. Alleine, dass sie immer wieder versuchen zu vertuschen, was in ihrem Land vor sich geht und die Menschenrechtscharta in ihrem groben Konzept nicht negieren, zeigt doch, dass die Staaten eigentlich zugeben, dass ihre Herrschaft nicht kompatibel ist mit den Vorstellungen in den internationalen Gremien, in denen sie sitzen. Ihnen ist sehr wohl klar, was für ein Widerspruch ihre Herrschaftsform mit den allgemeinen Vorstellungen von Menschenrechten erzeugt.
Diese Erkenntnis hat Folgen. Und zwar besonders für die Souveränität der einzelnen Staaten.
Die heilige Souveränität des Staates wird auch etwas brüchig, wenn man mit logischer und tiefgreifender Argumentation an die Sache geht.
Insgesamt, wie ich finde, muss man nicht Freiheit und Gleichbehandlung rechtfertigen, sondern Herrschaft und Bevorzugung einiger vor anderen. Mit welchen Argumenten dies zu rechtfertigen ist, ist mir schleierhaft. Ich sehe nämlich direkt in den Rachen des Löwen. Schnell weg hier...
Libertybunny18 - 9. Apr, 12:09
Ich habe heute schon massiven Muskelsport betrieben. Über hundert Muskeln aktiviert und mich dennoch nicht vom Fleck weg bewegt. Das geht. Lachen ist das Geheimnis.
Lachen ist gesund. Das wissen wir spätestens seit die so genannte Gelotologie das Lachen und ihr Auswirken auf Körper und Geist erforscht und uns ständig unglaubliche Ergebnisse liefert. Nicht nur gegen Stress wirkt Lachen Wunder. Auch bei Schmerzen, Herz-Kreislaufproblemen und sogar bei Krebs, wirkt das hochkomplizierte Muskelspiel auf heilende Weise. Und das Schöne daran: es kostet nichts.
Da wundert es schon, wenn man durch die Straßen der Stadt läuft, dass man kaum jemanden lachen oder lächeln sieht. Ich kann mich an Tage erinnern, da habe ich selbst kein einziges Mal die Mundwinkel in Bewegung gesetzt.
In Deutschland schreibt man Lachen groß. Aber nur in anderen Ländern wird das Lachen wirklich groß geschrieben. Es war mal um die deutsche Komik nicht so schlecht bestellt, da konnte man sogar im Parlament Politiker sehen, die nach nächtelangem Arbeiten immer noch den einen oder anderen Scherz auf Lager hatten. Heute wird ein Philipp Rössler von allen Seiten schief angeschaut, weil er sich einen Scherz mit dem designierten Bundespräsidenten Gauck erlaubte. Ein Satirebuch über Hitler wird kaputtgeredet statt ausgelesen, und das witzigste was der Durchschnitts-Deutsche über die Lippen bringt, sind immer noch Blondinenwitze aus den Neunziger Jahren.
Ich beneide die US-Amerikaner tagtäglich um ihr breites Angebot an wirklich intelligenten und witzigen Shows. Ich lasse mir keine Folge der Daily Show oder des Colbert Reports entgehen. So interessant und gelungen transportierte Information erhält man auf kaum einem anderen Kanal. Und nicht nur als besonders witzig gelten die beiden Fake-Nachrichtensprecher Jon Stewart und Stephen Colbert. Sie gelten auch noch als einflussreichste Personen im Land.
Wo bleibt währenddessen nur die deutsche Komik?
Vorbei die Zeiten, in denen ein Harald Schmidt uns die Welt der griechischen Mythologie mit Hilfe von Playmobilfiguren erklärte. Der Weichspül- und Schonwaschgang des Humors ist seit vielen Jahren Programm im deutschen Fernsehen und auf deutschen Bühnen.
Liegt es daran, dass wir Deutsche keinen Spaß verstehen? Oder gibt es in den USA einfach mehr Themen, über die man sich amüsieren und mehr politische Fettnäpfchen, in die man treten kann?
Wieso gibt es keine deutschen Sitcoms, bei denen die Lacher im Sekundentakt die Bauchmuskeln zum Zittern bringen?
Es gibt natürlich, wie überall, positive Ausnahmen. Das Magazin „Quer“ ist eines davon. An die Qualität amerikanischer oder britischer Komik reicht aber auch dieses Format nicht heran.
Ich habe manchmal das Gefühl, dass in Deutschland nur das als witzig empfunden wird, was ein riesengroße Label darauf kleben hat: „Achtung das ist ein Witz!“. Ironie und subtiler Humor findet man im deutschsprachigen Raum vergebens.
Die Lebenserwartung in Deutschland, wie überall in Europa auch, ist in den letzten Jahrzehnten dank fortschrittlicher Medizin enorm gestiegen.
Wie gesund könnte unsere Gesellschaft zudem sein, wenn die Lachmuskeln häufiger aktiviert würden? Es wäre vielleicht ein neues deutsches Wunder...
Es ist schade, dass Good old Germany in so vielen Disziplinen mittlerweile nur im Mittelfeld mitspielen kann. Noch nie galten (außer der Klassischen Musik der letzten Jahrhunderte) deutsche Musikproduktionen als besonderes wertvoll. Auch die deutsche Küche (hier auch wieder Ausnahmen im Spitzenköchenbereich) genießt keine internationale Anerkennung.
Aber anstatt mich jetzt rum zu ärgern und ein Magengeschwür zu provozieren, werde ich jetzt ins Netz gehen und mir meine tägliche Portion herzhaftes Lachen holen. Meine Mundwinkel gehen jetzt schon in freudiger Erwartung in die Breite.
Libertybunny18 - 5. Apr, 08:42
Es gibt, wie ich finde, in der Libertarismusdebatte kaum ein Thema, das kontroverser besprochen wird als die Schulpflicht bzw. der Bildungsauftrag des Staates.
Hauptargument gegen eine Einmischung des Staates in Sachen Bildung ist, wie in allen Themenbereichen auch hier für Libertäre, dass Kinder niemandem „gehören“ und wir es mit Individuen zu tun haben, die den Staat niemals legitimiert haben und selbst zu entscheiden hätten, ob und wie sie sich Bildung aneignen. Das Recht auf Dummheit oder Ignoranz ist Kern Aussage der Freiheitsfreunde. Ich stimme dem zu.
Nun ist aber, wenn man die Folgen eines solchen Rechts auf Dummheit weiter verfolgt, die Sache dann doch nicht ganz so einfach. Freiheit vor Zwang, ist ein in sich konsistentes Argument und auch größtenteils richtig. Jedoch lässt sich eine Schul- bzw. Bildungspflicht für Kinder gerade auch aus dem Argument der Freiheit rechtfertigen. Hier und nur hier, lässt sich ein Auftrag des Staates herleiten. Bei allen anderen Themenbereichen bin ich mit den meisten Libertären einer Meinung. Der Staat hat nichts in Angelegenheiten der Bürger zu suchen.
Freiheit im Sinne negativer Freiheit bedeutet, dass ich nicht zu etwas gezwungen werden darf, was ich nicht will. Mein Leben gehört nicht dem Staat, und ich habe daher das Recht, zu Hause zu bleiben und den ganzen Tag zu spielen anstatt zu lernen.
So einfach lässt sich die Sache aber nicht abhaken. Denn zum erfüllten Leben gehört auch ein positives Verständnis von Freiheit. Um maximale Freiheit genießen zu können – um alles also tun zu können, was ich mir wünsche, brauche ich bestimmte Voraussetzungen, um diese Ziele verwirklichen zu können.
Beispielsweise brauche ich mathematisches Grundverständnis, um später ein Studium der Betriebswirtschaftslehre absolvieren zu können. Oder ich entscheide mich, Ingenieur zu werden. Auch hierzu brauche ich gutes physikalisches und mathematisches Verständnis.
Um Wahlmöglichkeiten zu haben, brauche ich ein Mindestmaß an Bildung. Kinder müssen also tatsächlich, damit sie später in der Lage sind, negative Freiheit zu erfahren und selbst entscheiden zu können, was sie mit ihrem Leben anstellen wollen, bestimme Dinge lernen und kennen.
Einige meiner libertären Freunde meinen, Eltern könnten diese Aufgabe auch zu Hause sehr gut erfüllen und es gäbe keinerlei Recht der Gemeinschaft, über Kinder, die nicht ihre eigenen wären, zu entscheiden, selbst wenn ein Elternpaar es vorziehen würde, ihre Kinder nicht auszubilden.
Ich stimme dem zu, dass das Kind kein Eigentum der Gemeinschaft ist und deswegen zu nichts gezwungen werden darf. Jedoch sind Kinder auch kein Eigentum der Eltern. Eltern sind Begleiter und Unterstützer, die ihre Kinder so lange sie noch unmündig sind führen, und sie darauf vorbereiten, irgendwann einmal selbst Entscheidungen für ihr Leben zu treffen.
In libertärer Konsequenz, müsste man Kinder mit sechs Jahren fragen, ob sie zur Schule gehen wollen oder nicht. Schließlich würde das und nicht etwa das Befragen der Eltern, das Recht auf Freiheit des Individuums am meisten respektieren. Ein Kind mit sechs Jahren kann aber noch nicht absehen, was es später alles erreichen und werden möchte. Die Entscheidung, nichts zu lernen, und die Freiheit des Kindes, ignorant und ungebildet bleiben zu dürfen, ist zwar legitim, hat aber einen langfristig negativen Effekt: das Kind wird gezwungen sein, bestimmte Berufe zu wählen, da ihm wegen mangelnder Kompetenz andere Wege versperrt bleiben.
Man könnte weiter argumentieren, dass alle Eltern ja ein Interesse daran hätten, ihren Kindern die bestmögliche Bildung zu bieten und diese in Homeschooling vermitteln würden, so dass alle Kinder mit gleichen oder ähnlichen Chancen im späteren Leben starten.
An dieser Stelle bin ich sehr skeptisch. Ich habe Eltern erlebt, die es kaum zu etwas in ihrem Leben gebracht hatten und es ihren Kindern nicht gönnten, dass aus ihnen etwas Besseres wird.
Es fehlt auch Eltern an breiter Kenntnis auf allen in Frage kommenden Gebieten der Bildung. Zudem sehe ich eine Indoktrinierung durch Glaubenssätze der Eltern als größere Gefahr, als durch Bildung in einer Schule.
Es gäbe einen Mittelweg , der Autonomie der Individuen und die Erfüllung einer Mindestanforderung an Bildung garantieren würde: der Staat könnte bestimmte Grundkenntnisse in verschiedenen Fächern als Norm ansetzen und den Eltern und Kindern freilassen, wie sie zu diesen Kenntnissen gelangen, ob durch staatliche oder private Schule oder etwa in Homeschooling. Somit würde das Recht auf Selbstbestimmung zum größten Teil bewahrt.
Vielen Libertären geht aber selbst das zu weit. Ich finde es aber wichtig an dieser Stelle zu betonen, dass eine Freiheit von etwas, nämlich dem Zwang, sich bilden zu müssen, kaum mit einer grundlegenden Freiheit vereinbar ist, die mich befähigt, alles im Leben was ich mir erträume, theoretisch erreichen zu können.
Es heißt nicht, dass der Staat die Bürger zu ihrem Glück zwingen dürfen. Recht auf Dummheit finde ich tatsächlich eine zu respektierende Freiheit.
Jedoch berücksichtigt der Respekt vor der Freiheit des Individuums vor Schulzwang im jeweiligen Moment nicht die zukünftigen Wünsche und Bedürfnisse des selben Individuums. Wenn ein Kind und Jugendlicher keine Bildung will, muss ich das verstehen und respektieren.
Sobald das gleiche Kind später aber als Erwachsener seine Entscheidung bereut und doch gerne etwas kompliziertes studieren wollen würde (um nur ein Beispiel zu nennen), wäre es einfach zu spät und kaum nachzuholen. Die kurzfristige, freiheitliche Entscheidung hat dieser Person also die freie Wahl in langer Frist vermasselt. Andere würden jetzt vermutlich argumentieren, dass die Entscheidung des Individuums volles Risiko war und es die Folgen auch selbst zu verantworten hätte.
Ich bezweifele aber, ob man einen Sechsjährigen für solche Entscheidungen wirklich zur Verantwortung ziehen kann.
Ein Recht des Staates, eine Bildungspflicht auszusprechen, beruht jedoch nicht wie angenommen auf der Annahme, der Staat hätte tatsächlich das Recht, Individuen zu etwas zu zwingen. Vielmehr ist es das Recht des Individuums auf eine Ausgangslage, die ihm maximale Entscheidungsmöglichkeiten bietet, die mich dazu bewegen einen Mindeststandard für Bildung auszusprechen.
Insgesamt lässt sich sagen, dass das Thema Bildung eines der schwierigsten ist, bei der man Freiheiten gegeneinander abzuwägen hat. Das ist niemals ein leichtes Unterfangen.
Dass die Bildungspolitik in Deutschland einer grundlegenden Reform bedarf, ist jedoch nicht von der Hand zu weisen.
Libertybunny18 - 27. Mär, 10:45
Ich kann mir bei Leibe nicht vorstellen, dass es irgendjemanden in meinem Umfeld gibt, der sich so etwas wie Weltfrieden oder Wohlstand für alle nicht herbeisehnt. Mich eingeschlossen.
Wie so oft in meiner Freizeit, sinnierte ich am Wochenende über mögliche Gesellschaftskonzepte und versuchte mich in die Situation eines Weltfriedens hineinzufühlen. Das war gar nicht so schwer. Aber die Fragen, die sich daraus entwickelten, machten mir große Angst.
Es fing damit an, dass ich erst einmal darüber nachdachte, was mir am Leben am meisten Freude bereitete. Mir fielen Dinge ein wie: Lesen, Filme schauen, Freunde treffen, Herausforderungen annehmen, diskutieren etc, etc...
Und an der Sache war ein auffälliger Haken. Freunde zu haben bedeutete im Konkreten, jemanden lieber zu mögen als einen anderen, also zwischen Menschen zu diskriminieren. Bücher lesen machte nur Spaß und Sinn, wenn es eine spannende Handlung gab, wie z.B. einen Mordkomplott oder Affären usw. Filme ohne Konfliktpotenzial oder Höhepunkt anzuschauen, machte kaum Freude. Wir brauchten also eindeutig das „Böse“ und den Konflikt auf der Welt, um das Gute überhaupt zu erkennen, oder sie hervorzaubern zu können.
Es wurde mir also schlagartig klar, dass unsere Welt, unsere Kultur, unsere Gesellschaft – ja alles – von der Tatsache abhing, dass Dinge in der Geschichte der Menschheit geschehen waren, die mit Schmerz, Krankheit, Liebeskummer, Krieg und vielen anderen Dingen zu tun hatten.
Wir strebten also mit unseren Bemühungen zwar stets eine perfekte Welt in Frieden und ohne Probleme an, konnten aber eine solche perfekte Welt jedoch nicht wirklich wollen.
Was für ein langweiliger Ort wäre diese Welt, hätten Kain und Abel an Anfang der Zeit ihre Differenzen nicht ausgetragen und uns eine friedliche Welt hinterlassen, ohne Krankheit und Probleme, die wir dann mit Technik und Wissenschaft lösen könnten? Waren nicht Probleme der Motor von Forschung, Arbeit und Unterhaltung?
Ich war mir bei meinen theoretischen Überlegungen auch sicher, dass etwa achtzig Prozent der weltweiten Jobs nicht existieren würden, hätten wir die globalen Probleme auf Erden nicht. Ärzte hätten nichts zu tun, es gäbe keine Polizisten, weil Konflikte und Kriminalität ausblieben. Es gäbe in der Schule nichts über Geschichte zu lernen, weil sich nie etwas ereignet hätte, worüber zu schreiben und lehren sich gelohnt hätte.
Wir mussten also im Grunde genommen froh sein, dass es Menschen gab, die Torturen und Leid über sich ergehen hatten lassen, um uns heute in die Lage zu versetzen, ein interessantes, buntes Leben zu führen.
Als ich dies begriff, wurde mir schlagartig klar, wie dankbar ich war, dass es das Übel und Böse in der Welt gab. Ich schämte mich jedoch gleichzeitig, weil ich wusste, dass ich froh war, dass es mich nicht traf.
Aber eine gute Nachricht gab es. Wir waren technologisch und ethisch an den Punkt angekommen, wo so vieles passiert war, dass genug Stoff und Aufgabenstellungen für viele Jahrhunderte übrig blieben um zu lösen. Wir hatten Schriftsteller hervorgebracht, die mit ihrer Kreativität und ihrer Fantasie genug Stoff für Jahrhunderte geschaffen hatten. Das Argument der Langeweile ohne Konflikt, war für mich plötzlich nicht mehr so überzeugend.
Wir sind heute mehr denn je in der Lage einen Weltfrieden zu schaffen, der interessant ist, so dass jeder etwas zu tun hat und die Herausforderungen nicht ausgehen, so dass jeder noch ein Ziel im Leben haben kann.
Ein übrig bleibendes Problem machte mir jedoch bei weiterer Betrachtung der Sache wieder Sorgen: wenn Chancengleichheit bestehen würde und jeder seine Träume erfüllen könnte, würden nicht alle Menschen ein Leben als Berühmtheit und Reicher führen wollen, so dass keiner übrig bliebe für all die anderen Aufgaben, die noch bestehen würden?
Aber da ich in meinem Studium der VWL gut aufgepasst hatte, wurde mir schnell klar, dass die Präferenzen der Menschen schon immer stark variierten und die jeweiligen Interessen und Lebensziele sich nicht deckten.
Wenn wir es tatsächlich schaffen könnten, mit Hilfe von Facebook, Twitter & Co., alle Menschen auf Erden von Toleranz, Freiheit und Frieden zu überzeugen, so wäre so etwas wie ein künstlicher Naturzustand möglich. Dieser Naturzustand wäre im Vergleich zu den Gedankenkonstrukten von Rawls oder Locke jedoch, um nur zwei zu nennen, realistisch und würde schon bestehendes Eigentum und Vorteile mancher Menschen berücksichtigen. Umverteilung würde nicht stattfinden. Stattdessen wäre eine Ausgangslage geschaffen, aus der sich jeder ein Leben aussuchen könnte, die für ihn maximales Glück bedeuten würde. Jeder würde seinen Traum leben können. Und da sich die Träume der Menschen, wie bereits erwähnt schon immer stark unterschieden haben, würden manche berühmte Schauspieler werden wollen, während andere einen kleinen Bauernhof in Indien führen würden. Wieder andere würden Bücher schreiben, manche Astronomie studieren und und und...
Wo aufgrund von plötzlichem Frieden Arbeitsplätze wegfallen, wie etwa in der Rüstungsindustrie, beim Geheimdienst oder Polizei, würden sich andere Herausforderungen entwickeln, die Arbeitsplätze schaffen würden, so dass wir keine kollektive Langeweile auf Erden erdulden müssten.
Ich kann mir diese neue Welt in Frieden trotz reger Fantasie schwierig vorstellen. Alleine das Vertrauen, dass das heute endlich möglich ist, macht mich aber zuversichtlich.
Alle Menschen werden Brüder . Damals bloß eine Hoffnung – heute vielleicht eine neue Realität.
Libertybunny18 - 25. Mär, 08:50
Als der „Wutbürger“ zum Wort des Jahres 2010 gewählt wurde gab es keinen Zweifel mehr: der sich gegen alles protestierende und erhebende Geist ist in Deutschland salonfähig geworden.
Alles Streben dieses gesellschaftlichen Phänomens, ist die großgeschriebene Gerechtigkeit.
Ich bin immer sehr skeptisch, wenn ich Gerechtigkeit höre. Denn hierzulande kleidet sich dieser Begriff sehr gerne im Doppelpack mit dem Begriff der Gleichheit.
Als Egalitarismuskritiker sehe ich diese Zwangsverheiratung mit gesunder Skepsis.
„Wenn das Streben nach Gleichheit moralisch geboten ist, dann deshalb, weil dadurch ein anderer Wert gefördert wird, und nicht, weil Gleichheit als solche moralisch erstrebenswert ist.“ Dieses Zitat von Harry Frankfurt, dem wohl bekanntesten Egalitarismuskritiker unserer Zeit, hat mich damals, während meines Studiums, sehr beeindruckt.
Ein anderes Zitat Frankfurts liegt mir weiter sehr am Herzen: „Es kommt darauf an, ob Menschen ein gutes Leben führen, und nicht, wie deren Leben relativ zu dem Leben anderer steht.“ Denn alle gleich arm oder gleich krank zu machen, wäre Gleichheit in ihrer Reinform – jedoch kaum erstrebenswert.
Im Sammelband „Gleichheit oder Gerechtigkeit“, herausgegeben von Angelika Krebs, findet man Texte, wie etwa der von Elizabeth S. Anderson, die uns ein Bild einer möglichen Gesellschaft zeigt, in der Gleichheit zum obersten Prinzip deklariert wird.
Der Egalitarismus hatte einst das edle Ziel, Ungerechtigkeiten wie Armut und Unterdrückung entgegenzutreten. Wie Anderson jedoch erläutert, ist aber erschreckend, was heutzutage aus dieser theoretischen Schule geworden ist. „Was ist hier schief gelaufen?“ fragt die Egalitarismuskritikerin entsetzt.
Berühmte „Glücksegalitaristen“, wie Ronald Dworkin, Thomas Nagel oder Eric Rakowski, stellen uns eine Neidgesellschaft vor, in der Umverteilung aufgrund von Mitleid (immer sehr erniedrigend) anstatt von Mitgefühl erfolgt. Sie unterscheiden sich inhaltlich in ihrer jeweiligen Gleichheitsforderungen (der eine will Wohlergehen, der andere Ressourcen egalisieren), teilen aber die Ansicht, dass Ungleichheiten paternalistisch zu steuern sind.
Für diese Theoretiker kommt es zur Umverteilung nicht etwa weil es den Armen absolut schlecht geht, sondern weil andere es besser haben als sie. Keine Spur von Humanität, sondern von Neid in Höchstform.
Abgesehen davon, wie extrem und unsozial die heutige Gleichheitsdebatte auf theoretischer Ebene geworden ist (Rakowski lässt Opfer eigenes Risikos oder kalkulierten Pechs buchstäblich im Regen stehen, weil sie ihren gleichen Anteil an Ressourcen verspielt hatten oder etwa Menschen, die freiwillig einen riskanten Beruf ergriffen haben), haben wir es in der Praxis mit ähnlich extremen Tendenzen zu tun. Kaum jemand in unserer Gesellschaft kennt die Egalitarismustheorien eines Nagels oder Cohens, die mit Versichertensystemen die Ungleichheiten wie Talent, gutes Aussehen etc ausgleichen wollen. Sie kommen aber auf erstaunlich ähnliche Forderungen.
Die aktuelle Debatte um Managergehälter zeigt anschaulich, wie es um das Thema Gerechtigkeit bestellt ist. Mit Sicherheit sind viele Gehälter in Managementkreisen unberechtigt hoch. Dies liegt aber nicht im Vergleich zum Durchschnittsgehalt eines deutschen Angestellten begründet, sondern in der Tatsache, dass die Leistung nicht mit der Entlohnung in einem gesunden Verhältnis steht. Die Schweizer haben mit der Entscheidung, die Eigentümer des Unternehmens die Entscheidung zu überlassen, wieviel ihnen ihr Vorstand wert ist, einen vernünftigen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Dass aber der Markt mit seinem Angebot und der Nachfrage solche Unterschiede in der Entlohnung nun mal legitimiert, sollten alle Wutbürger eigentlich langsam akzeptieren.
So entrüstet sich kaum jemand über die Millionengagen berühmter Hollywoodschauspieler, weil hier offensichtlich ist, dass die Nachfrage nach beliebten Gesichtern nun mal sehr hoch ist und jeder einsieht, dass nicht jeder einen Al Pacino oder Robert Deniro so leicht ersetzen kann.
Ich kann hier nicht im Detail auf die Thematik eingehen, die das Sammelband „Gleichheit oder Gerechtigkeit“ beleuchtet. Harry Frankfurt zeigt uns sehr anschaulich, wie der Wert der Gleichheit als intrinsisch wertvoll deklariert wird, obwohl es so etwas wie intrinischen Werte nicht gibt. Vielmehr liegt in der Unparteilichkeit und am Mangel an Informationen über die Personen in der Gesellschaft (der, der am meisten Hunger hat, sollte unter Umständen einen größeren Teil des Kuchens bekommen. Da wir aber nicht wissen, wer welche Präferenzen oder Eigenheiten hat, teilen wir den Kuchen eben gleich auf) der Grund, wieso wir Gleichheit zum Leitprinzip humaner Regierungsformen erklären.
In meiner Magisterarbeit thematisierte ich die Rolle menschlicher Fähigkeiten (capabilities approach) in einer gerechten Gesellschaft. Die Philosophin Martha Nussbaum und der Nobelpreisträger für Ökonomie, Amartya Sen, beleuchten einen viel interessanteren Aspekt der „Gerechtigkeit“, als die Egalitaristen, die ich eingangs benannt habe. Es geht bei ihnen darum, dass Menschen ein gutes Leben führen und was der Staat für Bedinungen bereitstellen kann, damit jeder ein Leben in Würde und Respekt führen kann.
Sich das als Leitprinzip zu stellen und daraus politische Agenden zu setzen, die diesem Leitprinzip gerecht werden, ist viel wertvoller als alles andere, was in der heutigen Debatte thematisiert wird.
Vielleicht sollten wir unseren Politikern ein paar Bücher schenken.
Aber sie werden keine Zeit zum Lesen haben.
Der Wutbürger braucht nämlich ihre ungeteilte Aufmerksamkeit.
Libertybunny18 - 21. Mär, 09:43