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Dienstag, 9. April 2013

Fuchs vs. Löwe

„Als ob die Menschen, als sie den Naturzustand verließen und sich zu einer Gesellschaft vereinigten, übereingekommen wären, daß alle, mit Ausnahme eines einzigen, unter dem Zwang von Gesetzen stehen, dieser eine aber alle Freiheit des Naturzustandes behalten sollte, die sogar noch durch Gewalt vermehrt und durch Straflosigkeit zügellos gemacht wurde! Das heißt die Menschen für solche Narren zu halten, daß sie sich zwar bemühen, den Schaden zu verhüten, der ihnen durch Mader oder Füchse entstehen kann, aber glücklich sind, ja, es für Sicherheit halten, von Löwen verschlungen zu werden.“ Das ist ein gewaltiges Zitat von John Locke aus „Zwei Abhandlungen über die Regierung“.
Es klingt mehr als nur logisch: wenn alle Menschen an einem fiktiven Anfang der Gesellschaft die Wahl hätten, sich für ein System der Herrschaft zu entscheiden, würden sie mit Bestimmtheit versuchen, sich selbst so viel Rechte und Sicherheit einzuräumen wie nur möglich. Es entspricht auch einer ethischen Logik, wie ich finde, dass alle Menschen gleich viel Wert sind und daher keine Macht eines Individuums über ein anderes gerechtfertigt werden kann. Ein Grund, wieso das anders sein sollte, geht mir nicht in den Kopf.
Aber selbst wenn dieses Argument nicht überzeugen sollte, gibt es mit der so genannten Informationsmangeltheorie einen anderen logischen Grund, sich für die Menschenrechte und Wertegleichheit einzusetzen, wenn nun aber als Nebenprodukt der Argumentation. Selbst wenn wir nämlich glauben sollten, dass einige Individuen mehr Recht hätten als andere oder mehr Macht zustehen sollte, so weiß man in diesem Fall nicht auf wen das genau zutreffen sollte. Aus Angst also, die falschen zu unterdrücken oder zu bevorzugen, entsteht eine Motivation alle Menschen gleich zu behandeln. So ensteht der geringste Schaden.
Wenn man jedoch an die Universalität von Menschenrechten glaubt und sie als „Wahrheit“ akzeptiert, so frage ich mich oft, wie man dazu kommt zu glauben, dass irgendeine andere politische Kultur entstehen könnte, als eine Demokratie. Es macht keinen Sinn zu glauben, irgendeine andere Staatsform könnte den Spagat zwischen Herrschaft und Gerechtigkeit schaffen.
Demokratie also als einzig legitimierte Staatsform. Staatsform wohlgemerkt. Denn wenn man noch stringenter argumentiert und bereit ist, bis zum Naturzustand zurückzudenken und zu sehen, was in einem solchen Fall wohl entstehen würde, so ist überhaupt keine Form von Herrschaft oder Staat zu rechtfertigen.
Dies ist für viele schwer zu verstehen. Sie können nicht sehen, wie Dinge funktionieren sollen, wenn es einen Staat nicht gibt, der für Recht und Ordnung sorgt. Das ist richtig. Die Probleme, denen wir heute ausgesetzt sind, können wir ohne Staatsmacht nicht begegnen. Jedoch ist hier ein kleiner Denkfehler enthalten, den anzuschauen sich lohnt.
Die meisten Probleme entstehen genau weil es eine Form von Herrschaft gibt. Die durch den Staat verursachten Probleme sind tatsächlich lediglich mit einer Staatsgewalt lösbar. Jedoch könnte eine freie Gesellschaft, die auf Freiwilligkeit, Tausch, gegenseitigem Respekt basiert, also eine libertäre Gesellschaft, diese Probleme schon von Beginn an im Keim ersticken.
Eine freie Gesellschaft (und auf die Funktionalität dessen, werde ich in einem späteren Beitrag näher eingehen), in der es weder Armut und Konflikt gibt, weil es keine rivalisierenden Parteien gibt (und wieso das so ist, auch wiederum in einem späteren Beitrag), hat Probleme wie Kriminalität nicht. Und für die wenigen Fälle, wo noch kriminelle Energie vorhanden ist, kann die freie Gesellschaft Abhilfe durch private Sicherheitssysteme schaffen.
Ich möchte auf das Thema staatsfreie Gesellschaft an dieser Stelle gar nicht näher eingehen, sondern bei der Thematik der Menschenrechte bleiben. Es wird mir bei logischer Auseinandersetzung mit dem Thema immer mehr klar: wie kann man daran glauben, dass Menschen ungleich in ihrem Wert seien? Wie kann man glauben, dass es gerechtfertigt ist, dass wenige Menschen über andere herrschen?
Die meisten Länder dieser Erde, egal welche Staatsform sie haben, sind in internationalen Organisationen verbunden, wie etwa der Vereinten Nationen. Alleine, dass sie immer wieder versuchen zu vertuschen, was in ihrem Land vor sich geht und die Menschenrechtscharta in ihrem groben Konzept nicht negieren, zeigt doch, dass die Staaten eigentlich zugeben, dass ihre Herrschaft nicht kompatibel ist mit den Vorstellungen in den internationalen Gremien, in denen sie sitzen. Ihnen ist sehr wohl klar, was für ein Widerspruch ihre Herrschaftsform mit den allgemeinen Vorstellungen von Menschenrechten erzeugt.
Diese Erkenntnis hat Folgen. Und zwar besonders für die Souveränität der einzelnen Staaten.
Die heilige Souveränität des Staates wird auch etwas brüchig, wenn man mit logischer und tiefgreifender Argumentation an die Sache geht.
Insgesamt, wie ich finde, muss man nicht Freiheit und Gleichbehandlung rechtfertigen, sondern Herrschaft und Bevorzugung einiger vor anderen. Mit welchen Argumenten dies zu rechtfertigen ist, ist mir schleierhaft. Ich sehe nämlich direkt in den Rachen des Löwen. Schnell weg hier...

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